Leben im Wohnheim

Ein Treppenhaus mit Blick ins Grüne. Foto: Jule

Ein großes Gebäude, lange Flure und hinter jeder Tür ist ein_e andere_r Student_in zu Hause. Das Wohnheim ist eine beliebte Wohnmöglichkeit bei Studierenden – ob als erstes eigenes Zuhause, übergangsweise zur Orientierung am Studienort oder für die gesamte Studienzeit. Alex hat während seines Bachelors vier Jahre in einem Studierendenwohnheim gelebt. „Ein Bett, Schreibtisch, Regal, Schrank und Waschbecken auf 12 Quadratmetern. Das klingt nach nicht viel, aber ich hatte dort eine schöne Zeit. Auch wegen des riesigen Fensters mit der schönsten Aussicht!“. Von seinen Erfahrungen, Highlights und Schwierigkeiten im Wohnheim berichtet Alex im folgenden Interview.

Es gibt Wohnheime mit unterschiedlicher Träger_innenschaft, meistens vom örtlichen Studierendenwerk betrieben, private und kirchliche. Natürlich ist nicht jedes Wohnheim gleich, es bestehen trotzdem einige Gemeinsamkeiten: Wohnheime sind meist mehrere Stockwerke hoch und die Aufteilung auf jedem Flur ist nahezu gleich: Es gibt die Zimmer der Studierenden (meist zwischen 10 bis 15 Quadratmetern groß), eine gemeinsame Küche und Badezimmer. Wobei manche Wohnheime auch private Badezimmer an das eigene Zimmer angeschlossen haben sowie es manchmal auch Zweier-Zimmer oder sogar ganze WGs gibt. „Letztendlich lebst du mit den Leuten auf deinem Flur zusammen. Du triffst sie regelmäßig in der Küche und im Badezimmer oder hörst, je nachdem wie dick die Wände sind, jeden Morgen den Wecker deines Nachbarn“. Alex betont allerdings auch, dass die Entscheidung, wie intensiv zusammengelebt werden möchte, von einem selbst abhängt. „Wenn du keine Lust auf Kontakt hast, kannst du da auch ganz anonym leben“.

Alex hat sich vor allem aus praktischen Gründen für das Wohnheim und gegen eine WG oder eine eigene Wohnung entschieden. „Eine eigene Wohnung konnte ich mir schlichtweg nicht leisten und ich habe zeitlich relativ knapp eine Wohnmöglichkeit gesucht, da war das Wohnheim die einfachste Lösung.“ In Studierendenwohnheimen lebt es sich häufig recht preiswert, da die Miete oft alle notwendigen Kosten einschließt, sodass du nicht extra für Internet oder Ähnliches zahlen musst. Zudem können die Zimmer auch möbliert bezogen werden, sodass Kosten für diese Neuanschaffungen in diesem Falle wegfallen. „Die Bewerbung für das Zimmer lief auch total unkompliziert ab. Ich musste nur einen Antrag ausfüllen sowie Personalausweis und Studierendenbescheinigung einreichen.“

Alex hat am Leben im Wohnheim am meisten die Gemeinschaft gefallen: „Die Besetzung auf dem Flur wechselt zwar häufig, aber so habe ich viele neue Leute kennengelernt. Ich denke heute noch gern an die Koch- und Quatschabende mit einer Gruppe Erasmus-Studierender zurück. Mit einigen Flurkolleg_innen habe ich heute noch Kontakt. Es sind aber auch diese kleinen Begegnungen, Gespräche oder spontane Feiern, die das Leben dort für mich ausgemacht haben.“ Natürlich gibt es beim Zusammenleben und bei Gemeinschaftsräumen immer mal wieder Konfliktpunkte, besonders was das eigene Sauberkeits- und Ordnungsverständnis angeht. Oder eine Party im Nebenzimmer, wenn am nächsten Tag eine Klausur ansteht. „Wobei sich diese Probleme durchs Ansprechen und drüber reden meist schnell klären lassen.“

Wenn du überlegst, in ein Wohnheim zu ziehen, kannst du dich beim Studierendenwerk oder auf der Webseite „Studieren und Leben in Hildesheim“ der Uni informieren, welche Möglichkeiten es in Hildesheim gibt. Vielleicht hat dir Alex’ Erfahrungsbericht einen kleinen Einblick in das Leben im Wohnheim gegeben. Ob du ein „Wohnheim-Typ“ bist, kannst nur du wissen. Alex hat zum Abschluss noch folgenden Tipp:

„Wenn du in einem Wohnheim lebst, kann es sehr hilfreich sein, ein bisschen pragmatisch und genügsam zu sein. Wo verschiedene Menschen zusammenkommen, treffen natürlich unterschiedliche Charaktere und Ansichten aufeinander. Aber mit ein bisschen Kompromissbereitschaft findet sich eigentlich immer ein Weg. Sinnvoll ist auch, sich über die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse klar zu sein. Was ist mir wichtig und was geht gar nicht? Wenn du zum Beispiel keine Lust auf Gesellschaft hast, ist das auch machbar. Wenn du allerdings nicht auf 12 Quadratmetern leben kannst, dann ist ein Wohnheim wahrscheinlich nichts für dich. Das lässt sich halt nur individuell entscheiden. Für mich war das Wohnheim damals auf jeden Fall genau richtig!“

Vielen Dank Alex für das Interview und das Teilen deiner Erfahrungen!

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