Ostern in der Uni: Theologie im Lehramtsstudium

Fotografie von violetten Krokussen
Krokusblüten. Foto: Jule

Wenn ich an Ostern denke, kommen mir sofort Bilder aus meiner Kindheit in den Kopf: morgens aufgeregt aufstehen, die Jalousien hochziehen und den Garten von oben nach dem Osterhasen oder bunten Süßigkeiten absuchen. Eiersuche im Schnee, bei Regen oder schönstem Sonnenschein. Schulfrei, beim Familientreffen die Osterhitparade von FFN hören. Obwohl ich christlich getauft wurde, verbinde ich mit Ostern nicht in erster Linie den religiösen Feiertag. Das ist bei Yasmin und Annika ein bisschen anders. Die beiden sind Lehramtsstudentinnen an der Uni Hildesheim und studieren beide evangelische Theologie. Mit ihnen habe ich über das Lehramtsstudium, das Fach Theologie und natürlich über Ostern gesprochen.

Hallo ihr zwei. Stellt euch doch bitte mal kurz vor.

Annika: Hallo, ich bin Annika, 22 Jahre alt und komme aus der Region Hannover. Ich studiere die Fächer Deutsch und evangelische Theologie auf Grundschullehramt und komme jetzt ins sechste Bachelorsemester.

Yasmin: Hi, ich bin Yasmin, 18 Jahre alt und komme aus der Nähe von Duderstadt, also Richtung Eichsfeld. Ich studiere wie Annika Deutsch und evangelische Theologie, aber für Realschule und komme jetzt ins zweite Bachelorsemester.

Wohnt ihr denn beide in Hildesheim?

Annika: Nein, ich wohne zurzeit nicht in Hildesheim, sondern bei meinen Eltern.

Yasmin: Ja, das ist bei mir genauso. Durch das Online Semester bin ich noch nicht nach Hildesheim gezogen, sollte die Uni aber irgendwann wieder in Präsenz stattfinden, habe ich das auf jeden Fall vor.

Womit beschäftigt ihr euch im Fach evangelische Theologie? Was sind typische Seminare?

Yasmin: Ich bin ja ganz frisch dabei und im ersten Semester habe ich erstmal einen Einblick in die Grundlagen bekommen. Wir haben uns mit der Bibel befasst und auch eine Einführung in die evangelische Theologie bekommen. Außerdem hatten wir den religionspädagogischen Grundkurs, wo wir uns unter anderem selbst hinterfragt haben, was unseren eigenen Glauben ausmacht und generell unseren bisherigen Glaubensweg reflektiert haben.

Annika: Es gehören Veranstaltungen zu Inhalten des Alten und Neuen Testaments dazu. Zum Beispiel gehört die Geschichte Israels dazu oder die Beschäftigung mit den synoptischen Evangelien. Wie Yasmin auch schon gesagt hat, werden auch im Bereich Religionspädagogik Veranstaltungen angeboten. Da hatte ich dieses Semester zum Beispiel ein Seminar zu biblischen Frauengestalten. Es gibt auch interreligiöse Veranstaltungen, da hatte ich dieses Semester auch ein Seminar, in dem wir über Zoom mit einer Israelitin gesprochen haben. Das Seminar hieß „christliche und jüdische Feiertage im Vergleich“ und war sehr interessant. Da haben wir viel über das Judentum erfahren und auch über das Leben in Israel.

Also ist das Veranstaltungsangebot sehr vielfältig und ihr besucht nicht nur Vorlesungen, sondern auch einige (praktische) Seminare?

Annika: Ja genau, Vorlesungen haben wir eigentlich kaum, sondern in Theologie hauptsächlich Seminare. Wir kommen da auch viel ins Gespräch über verschiedene Themen und führen Diskussionen.

Yasmin: Was mir gerade noch einfällt, aber vielleicht kannst du dazu mehr sagen, Annika: eigentlich hätten wir im ersten Semester ein Wochenende in einem Kloster verbracht, aber das ist wegen Corona ausgefallen. Aber du hattest das, oder?

Annika: Genau, das fand im Rahmen des religionspädagogischen Grundkurses statt, das war echt ein schönes Wochenende. Da ging es viel darum, wie Schüler_innen religiöse Themen vermittelt bekommen können kann oder wie biblische Texte im Unterricht behandelt werden können, da haben wir auch wirklich hilfreiche Tipps für die Praxis mitbekommen. Gerade auch zum Kennlernen der Kommiliton_innen war das super hilfreich im ersten Semester, weil wir uns vorher alle noch nicht so gut kannten.

Fotografie von Schnneeglöckchen
Schneeglöckchen. Foto: Jule

Wie beschäftigt ihr euch im Studium mit dem Thema Ostern?

Annika: Die Evangelien sind ein zentrales Thema, in denen auch die Kreuzigung und Auferstehung Jesu vorkommt. Im Seminar „jüdische und christliche Feiertage im Vergleich“ war Ostern auch ein Themenschwerpunkt.

Yasmin: Im ersten Semester haben wir uns auch mit den Evangelien auseinandergesetzt, aber in so Seminaren wie dem von Annika wird das Thema dann wahrscheinlich noch ausführlicher besprochen.

Was verbindet ihr persönlich denn mit Ostern?

Yasmin: Bei mir ist es auf jeden Fall der Ostersonntags-Gottesdienst, den ich mit Ostern verbinde. Der ist bei uns super feierlich gestaltet und wir gehen da auch immer mit der ganzen Familie hin. Deswegen verbinde ich mit Ostern auch immer Zeit mit der Familie – also jetzt in der Pandemie natürlich leider nicht in dem Rahmen, wie es sonst stattfindet, aber sonst kommen wir da immer mit der großen Familie zusammen.

Annika: Die Auferstehung Jesu und damit verbunden auch Hoffnung. Irgendwie auch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Und natürlich Familienzeit und Festtage, an denen sich die ganze Familie trifft und Zeit füreinander hat.

Konntet ihr die Inhalte aus eurem Studium schon einmal praktisch anwenden? Zum Beispiel bei Praktika oder Nachhilfe?

Yasmin: Ich habe auf jeden Fall etwas mitgenommen von meinem Einführungsseminar in die biblischen Schriften, und zwar betreue ich Konfirmand_innen bei uns in der Gemeinde. Und in dem Seminar wurden uns so kleine Videos gezeigt und da werden die einzelnen Bücher der Bibel ganz einfach und lustig dargestellt. Die habe ich dann mit in den Konfirmandenunterricht genommen, weil ich das auch für das Alter sehr passend fand.

Annika: In den Praktika, die ich bisher hatte, habe ich auch schon Religionsunterrichtsstunden gegeben. Allerdings haben die Themen, die ich im Studium bis jetzt hatte, da inhaltlich noch nicht eine so große Rolle gespielt. Aber zum Beispiel Inhalte des Seminars zu biblischen Frauengestalten kann ich mir sehr gut vorstellen, später in Unterrichtseinheiten zu verwenden. Im Seminar haben wir auch über didaktische Umsetzungsmöglichkeiten gesprochen.

Warum studiert ihr eigentlich Lehramt und wie habt ihr euch für eure Fächerkombination entschieden?

Yasmin: In meiner eigenen Konfirmandenzeit habe ich einen starken Bezug zur evangelischen Kirche und dadurch auch zur evangelischen Religion gefunden. Dadurch, dass mein Bruder Kirchenmusik studiert und meine Mama im Kirchenvorstand ist, habe ich dazu eine große Verbindung. Deshalb stand es für mich schon lange fest, dass ich evangelische Theologie studieren möchte. Deutsch kam dann als zweites Fach dazu, weil es etwas ist, was ich immer schon gerne gemacht habe in der Schule und selber auch viel schreibe und super gerne lese. Lehramt ist es dann geworden, weil ich auch eine Person bin, die super gerne organisiert und da kann ich das alles dann irgendwie zusammen bringen, weil eine gute Lehrkraft natürlich auch gut organisiert sein sollte.

Annika: Ich habe auch schon länger in der Schulzeit darüber nachgedacht und konnte mir immer gut vorstellen, Lehramt zu studieren. Mir macht die Arbeit mit Kindern sehr viel Spaß. Evangelische Theologie war auch für mich das Fach, was als erstes feststand. Ich hatte einen interessanten Religionsunterricht in der Oberstufe, in dem wir viel diskutiert haben und das hat mir gut gefallen. Ich finde es spannend, sich mit anderen über verschiedene theologische Inhalte auszutauschen, weil es da ja auch viele unterschiedliche Ansichten gibt. Da miteinander ins Gespräch zu kommen und auch sich darüber auszutauschen, was Glaube für einen persönlich bedeutet, finde ich sehr spannend. 

Was gefällt euch am Studium in Hildesheim besonders gut?

Yasmin: Ich kann da ja bisher nur als Ersti drüber sprechen, aber ich bin super begeistert davon gewesen, dass man* uns trotz der aktuellen Lage eine relativ gute Einführungswoche gegeben hat. Also dass wir im Stundenplan beraten wurden, kleine Campus- oder auch Stadtführungen angeboten wurden und dass wir da trotzdem ein bisschen was erleben konnten. Natürlich ist das wahrscheinlich etwas anders als andere es erlebt hatten, aber trotzdem hatten wir ein super Alternativprogramm. Und bis jetzt waren auch alle super hilfsbereit und freundlich, wenn ich irgendwo Fragen hatte.

Annika: Ich finde es schön, dass die Uni nicht so riesig ist. Gerade im Fachbereich Theologie ist das sehr überschaubar, sodass jeder_r schnell Kommiliton_innen kennen lernt, was jetzt durch Corona für die Erstis wahrscheinlich trotzdem schwierig ist. Aber bei mir war es auf jeden Fall so, dass ich die Menschen aus dem Theologie Bereich sehr schnell kennengelernt habe und auch die Gesichter schnell vertraut waren durch die Seminare, die wir im ersten und zweiten Semester oft alle zusammen hatten. Dadurch, dass der Fachbereich nicht so groß ist, lernen wir auch die Dozierenden schnell kennen und das finde ich auch sehr angenehm, dass es hier nicht so anonym ist. Ich habe das Gefühl, dass die Dozierenden uns auch die Freude an den Inhalten vermitteln möchten, ich hatte bisher viele interessante Seminare. Und wir werden viel miteinbezogen in den Seminaren. Wir können immer Fragen stellen. An der Stadt Hildesheim gefällt mir, dass sie nicht so groß ist und im Uni-Bereich auch alles recht gut zu erreichen ist.

Danke liebe Annika und liebe Yasmin für Eure Einblicke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.