WG-Suche und Umzug in Hildesheim

Im Rathaus in Hildesheim kannst du dich ummelden. Illustration: F. Olsson

Hildesheim ist nicht Berlin oder München. Es gibt meiner Erfahrung nach genug bezahlbare Zimmer und Wohnungen. Mit ein bisschen Geduld solltet auch ihr das finden, wonach ihr sucht. Wie ich meine Suche erlebt habe und was es beim Umzug alles zu beachten gibt, könnt ihr hier lesen. Außerdem habe ich ein kurzes “How to” für die Suche und den Umzug für dich zusammengestellt.

Hilfe, ich brauche ein neues WG-Zimmer!

Beim Aufschließen der Wohnungstür ließ sich der Schlüssel nicht wie gewohnt zweimal drehen. Die Tür sprang sofort auf. Hatte ich vergessen abzuschließen? Neue Schuhe standen im Flur, es duftete nach Suppe und leise klang Lizzo gemischt mit der hellen Stimme von H. durch die Wohnung. Meine Mitbewohnerin war wieder da. Leider nur für kurz. Sie würde wieder zu ihren Eltern ziehen. Die Information kam nicht überraschend. Die Wahrscheinlichkeit, dass H. in Hildesheim bleiben würde, war gering. Trotzdem war es schade, dass die gemeinsame Zeit in der WG enden würde. Weil H. einen Neuanfang wagte, wollte ich das auch. Also Kündigung, drei Monate Zeit, kein Zurück.

Auf der Suche

Während ich auf dem Sofa saß und mir die neusten Anzeigen für WG-Zimmer durchlas, erinnerte ich mich an die Situation vor eineinhalb Jahren.

*Flashback*

Ich war mit meinem FSJ fertig und hatte noch über zwei Monate, bis mein Studium beginnen würde. Ich suchte ein WG-Zimmer und fand Frust und Verzweiflung. Nur Absagen oder gar keine Antworten. Der Oktober rückte immer näher und die Vorfreude auf mein Studium weiter in den Hintergrund. Hildesheim war nicht Berlin und bis dato hatte ich immer nur gehört, wie toll und einfach es ist, dort ein WG-Zimmer zu finden. Der Zeitpunkt war ungünstig, Semesterstart. Kurz vor knapp hatte ich dann eine Wohnung bekommen, zu der ich mir noch eine zweite Person suchen musste.

*Flashback Ende*

Was, wenn ich wieder kein Zimmer finden würde? Es war zwar kein Semesterbeginn, dafür aber Corona. Wer kommt schon auf die Idee, während einer Pandemie umzuziehen, wo alle zu Hause bleiben sollen? Ich meldete mich erst einmal bei allen Anzeigen, die mir gefielen. Meine Traum-WG war klar: großes Zimmer, maximal drei weitere Mitbewohner_innen, Balkon, zentral gelegen in Mitte, Oststadt oder Neustadt. Altbau, zweiter Stock, große Küche und günstig. Zugegeben, das war ein bisschen utopisch. Aber ich würde mich auch mit dem dritten Stock zufriedengeben 😉. Dann hieß es erst einmal warten. Immer, wenn ich am Laptop saß, also eigentlich den ganzen Tag, schaute ich, ob neue Angebote online waren. Ich suchte hauptsächlich auf „wg-gesucht.de“, schaute aber auch immer mal bei Ebay Kleinanzeigen und anderen Immobilienportalen rein. Am Anfang kamen relativ viele Anzeigen neu dazu, irgendwann waren gefühlt nur noch dieselben online. Die ersten Leute meldeten sich zurück und das Besichtigen konnte beginnen.

Hallo? Will mich irgendjemand?

Ich kenne zwar niemanden, der WG-Castings liebt und das gerne als Hobby betreiben würde, aber es gibt sicher auch Menschen, die das nicht schlimm finden. Ich gehöre nicht dazu. Schüchtern, introvertiert, nicht sonderlich schlagfertig sind keine vorteilhaften Eigenschaften, um sich gut zu präsentieren. Und der Spruch Sei einfach du selbst! Ist in diesem Falle auch nicht hilfreich. Dementsprechend komisch waren die ersten WG-Besichtigungen. Ich wollte offen sein und nett, interessiert an meinem Gegenüber und der Wohnung. Einige Besichtigungen fanden vor Ort statt, andere über Skype oder Zoom. Ich habe es bei Besichtigungen vor Ort jedes Mal geschafft, mindestens eine Viertelstunde zu früh zu sein. So musste ich ziellos in der Wohngegend umherschleichen oder total gruselig irgendwo rumstehen und auf meinem Handy Happy Color spielen. Während ich so durch die Straßen um das Zielobjekt schlenderte, schaute ich mir die Häuser an und stellte mir vor, dort zu wohnen. Stellte mir vor, wo ich spazieren gehen, einkaufen oder zum Bus rennen würde. Insgesamt liefen diese Besichtigungen besser als bei meiner ersten Suche, wobei ich auch Termine hatte, nach denen ich am liebsten die Zeit zurückdrehen würde, um alles noch einmal zu machen. Die Online-Gespräche waren durch peinliche Stillen und sich-ständig-ins Wort-fallen auch nicht viel besser. Die WG-Castings stressten mich. Die ersten Absagen, die nach und nach eintrudelten, machten das nicht besser. Zwar hatte ich bis dato noch keine Besichtigung gehabt, bei der es Klick, Bam! oder Boom gemacht hatte. Die Gedankenspirale setzte das aber trotzdem in Gang: Was mache ich, wenn ich kein Zimmer finde? Wohin ziehe ich dann?  Zeitgleich klopfte mein Vermieter an und schickte mir potentielle Nachmieter_innen zur Besichtigung vorbei. Ich beantwortete weiter Fragen nach meinen Hobbys (welche Hobbys?), zu meinem Studium und meiner Person. Ich unterhielt mich bei einem Casting mehr mit der Person, die auszog, als den anderen. Versuchte ich selbst und vor allem ehrlich zu sein bei Antworten auf Fragen wie: „Feierst du gerne?“, „Bist du ein ordentlicher Mensch?“. Generell stresste mich nicht nur die Erwartungshaltung, die bei WG-Gesprächen von beiden Seiten entstand, sondern auch die unnatürliche Gesprächssituation mit immer denselben Floskeln. Am 13.05. machte es Klick, Bam! und Boom und ich hatte mein erstes WG-Casting, bei dem ein richtiges Gespräch zustande kam. Wir redeten über alles Mögliche, erzählten Anekdoten und ich fand die bei beiden auf Anhieb super. Auch wenn die Wohnung nur rund 500 Meter Luftlinie von meiner derzeitigen lag und das Zimmer etwas teurer (dafür aber auch etwas größer) war, wollte ich dort unbedingt einziehen. Drei Tage später erhielt ich die Antwort. „Wir haben jetzt alle Besichtigungen durch und uns für dich entschieden“.

Nach der Suche ist vor dem Umzug

Illustration der Sternwarte Hildesheim
Sternwarte in Hildesheim. Illustration: F. Olsson

Ob es Glück war, oder Schicksal, eine günstige Sternenkonstellation, … Egal. Ich hatte mein Wunsch-WG-Zimmer bekommen, mehr als rechtzeitig und konnte ganz in Ruhe dort einziehen und die alte Wohnung leer räumen. Das ganz in Ruhe stimmte nicht so richtig, also eigentlich gar nicht. Umziehen war stressig. Ständig galt es irgendwas zu organisieren, an etwas zu denken, nichts zu vergessen. Der Umzugstag stand fest, jetzt also noch ein Auto mieten und Hilfe suchen. Keine Hilfe gefunden, weil alle wegen Corona in ihrer Heimat weilten. Also auch Hilfe mieten, Kartons besorgen und packen. Wie kann ein Mensch in eineinhalb Jahren so viel Zeug ansammeln? Ich hatte damals nicht nur mein Zimmer bezogen, sondern auch Flur, Bad und Küche eingerichtet und ausgestattet. Wohin damit? Sachen verkaufen, verschenken und wegwerfen. Möbel abbauen, Papierkram ausfüllen. Internetvertrag aus der neuen Wohnung übernehmen, Gas neu beantragen, meine Verträge kündigen (Internet mit Mindestlaufzeit war keine gute Idee). Vor dem großen Tag dann die Zweifel und Angst. Warum mache ich das überhaupt? Es wäre so viel einfacher gewesen, hier zu bleiben. Und was ist, wenn es in der anderen WG furchtbar wird? Wir uns nicht mögen und nur streiten oder ignorieren? Dann der Umzug. Es war der heißeste Tag im Monat, vom vierten Stock alles runtertragen, rüberfahren, hochtragen. Das ganze drei Mal und dann alles wieder aufbauen und auspacken. Die alte Wohnung putzen, streichen und irgendwann, nach einer Ewigkeit, endlich in neue Hände übergeben. Der Stress hatte sich gelohnt, ich fühlte mich wohler denn je in meinem neuen Zimmer!

How to Suche und Umzug

Mietvertrag kündigen (wenn vorhanden)

  • Beachte: die meisten Verträge enthalten eine dreimonatige Kündigungsfrist. Lies das sicherheitshalber noch einmal in deinem Vertrag nach oder informier dich bei der Vermieterin oder dem Vermieter
  • Zeitpunkt festlegen: Möchtest du erst etwas Neues gefunden haben und anschließend kündigen und im Zweifel doppelt Miete bezahlen? Oder geht das zeitlich auf?  

Suche

  • Was suche ich? (Wohnung, WG-Zimmer, Wohnheimzimmer)
  • Welche Größe sollte das Zimmer/die Wohnung haben?
  • Wie viel sollte die Wohnung (maximal) kosten? Beachte hier den Unterschied von Kalt- und Warmmiete. Kaltmiete ist der Grundbetrag ohne Nebenkosten. Die Warmmiete enthält dann Nebenkosten, wie z.B. Wasser, Heizkosten, Entsorgungsgebühren, etc. und geht an die Vermietung. Das sind aber häufig nicht alle Nebenkosten, die in einer Wohnung anfallen. Dinge wie Strom und Internet musst du häufig noch dazu rechnen.
  • Lage: Wo möchte ich am liebsten wohnen? Was ist mir wichtig? (nah an der Uni, je nach Campus z.B. Marienburger Höhe oder Itzum; zentral z.B. in Mitte, Oststadt, Neustadt, südliche Nordstadt; …)
  • Wo liegen meine Prioritäten? (Lage, Größe, Preis, Mitbewohner_innen, Bad mit Fenster, etc.)
  • Welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen?
  • Für manche Besichtigungen brauchst du bestimmte Dokumente (z.B. Mieterselbstauskunft, Bürgschaft, etc.). Informiere dich vorher, was du benötigst

Tipp für WG-Suche: Eine grobe Textvorlage fürs Anschreiben zu haben ist gut. Wenn du aber nicht in eine Zweck-WG ziehen möchtest, dann schicke diesen Text nicht einfach an alle Anzeigen, die dich interessieren. Lies dir die Anzeige durch und überleg, auf was du vielleicht eingehen möchtest und schreib etwas über dich. Das kann helfen, bei vielen Bewerbungen herauszustechen.

Umzug

  • Termin festlegen (Wann muss ich spätestens aus der alten Wohnung ausgezogen sein? Wann kann ich frühestens in die neue einziehen?)
  • Kartons, Hilfe und evtl. ein Auto/einen Transporter organisieren
  • Verträge: Informiere dich, wie du mit den Verträgen aus deiner alten Wohnung verfährst (an Nachmieter_in übergeben? Musst du sie kündigen und wenn ja, gibt es Fristen?); Welche Verträge brauchst du in deiner neuen Wohnung (musst du Strom/Gas neu beantragen? Internet? Kannst du Verträge mitnehmen?)
  • Kartons packen, Dinge aussortieren und/oder verkaufen, Möbel abbauen (was muss bis ganz zu Letzt stehen bleiben? Was kann ich vorher schon einpacken?)
  • Parksituation bei der neuen Wohnung anschauen
  • Neue Wohnung/neues Zimmer renovieren? (je nach Absprache)

Nach dem Umzug

  • Bei der Stadt ummelden (dazu benötigst du eine Wohnungsgeberbestätigung der neuen Vermietung)
  • Adresse bei wichtigen Institutionen wie Banken, Krankenkasse, Versicherungen, Uni, BAföG-Amt, Arbeitgeber_in, etc. ändern lassen
  • Was passiert mit der Post? (Nachsendeauftrag? Nachmieter_in Bescheid geben?)
  • Wenn du kein BAföG erhältst: GEZ anmelden/ummelden/sich bei WG dazu melden lassen
  • Alte Wohnung je nach Absprache renovieren und putzen, Wohnungsübergabe (Übergabeprotokoll führen und erhalten) und Kaution (im besten Falle) zurückerhalten

2 Antworten auf „WG-Suche und Umzug in Hildesheim“

    1. Hallo Carina, toll, dass du nach Hildesheim ziehst! Also ich finde es in den meisten Stadtteilen schön, aber “schön” ist ja auch eine sehr subjektive Empfindung. In der Nähe von Kommiliton*innen zu wohnen ist für mich schön. Ich würde sagen, die meisten Studierenden wohnen in der Oststadt, Neustadt, Nordstadt, Südstadt, in Mitte oder Marienburger Höhe. Marienburger Höhe ist nah an der Uni, aber auch an der Natur. In der Südstadt hast du es nicht weit zum Hohnsensee oder dem Ehrlicherpark. “Am meisten los” im Sinne von Veranstaltungen, Bars etc. ist meiner Meinung nach rund ums Zentrum, also die genannten Stadtteile, die um die Innenstadt herum liegen wie Oststadt, Nordstadt oder Neustadt. Moritzberg finde ich schön, auch wenn ich leider nicht weiß, wie viel da los ist :) Liebe Grüße Jule

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