Das erste Semester… online?!

Wie es ist während Corona online ins Studium zu starten – ein Erfahrungsbericht und einige Tipps.

Gerade fertig mit der Schule oder vielleicht sogar schon etwas länger aber noch einige Zwischenstationen eingelegt, bevor es losgehen soll… das Studium! Als Ersti eine neue Stadt entdecken, unzählige neue Leute kennen lernen, viele wilde Partys und natürlich auch spannende Seminare sowie lange Stunden in der Bib – so stellt man sich das in der Regel vor, vor dem ersten Semester, so sollte es ablaufen. Stattdessen ist nun alles angepasst an die Corona-Maßnahmen. Wie läuft das ab? Was ist überhaupt noch möglich? Die im Folgenden für euch zusammengefassten Erfahrungen von mehreren Studienanfänger_innen der Uni Hildesheim sollen euch einen Einblick geben und euren eigenen Einstieg erleichtern.

Keinen Anschluss zu finden war, da waren sich alle Befragten einig, ihre größte Sorge vor Semesterbeginn. Natürlich ist es unter den derzeitigen Bedingungen nicht leicht neue Leute kennenzulernen, die Ersti-Einführungswochen konnten bestenfalls nur mit beschränkten Personenzahlen sowie Maske und Mindestabstand im Freien stattfinden. Doch wenigstens gab es überhaupt Angebote und diese wurden begierig in Anspruch genommen. Sollten Präsenzveranstaltungen in der Ersti-Woche möglich sein, versucht also unbedingt daran teilzunehmen. Auch wenn ihr eure Kommiliton_innen vorerst größtenteils nur online sehen könnt – es ist ungleich schöner, im ersten Seminar schon ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen. Ob bei einer Campusführung in Kleingruppen, in Online-Meetings eures Studiengangs mit den Erstsemestertutor*innen zur begleiteten Stundenplanerstellung (sehr zu empfehlen!) oder in selbst organisierten Messenger-Gruppen, ihr solltet keine Möglichkeit auslassen, um euch zu vernetzen. Dabei ist Eigeninitiative ein wichtiges Stichwort und falsche Scheu ein schlechter Ratgeber; schließlich sitzt ihr alle im selben Boot und jeder will Anschluss finden. Deshalb ist es auch trotz aller Umstände ratsam, an euren neuen Studienstandort zu ziehen, selbst wenn das bedeutet, Freund_innen und Familie in der womöglich weit entfernten Heimat zurückzulassen. Besonders sinnvoll ist es, wenn ihr euch eine WG mit anderen Studierenden sucht, da ihr so zwangsläufig Kontakt zu euresgleichen findet und während eines Lockdowns nicht völlig allein seid. Außerdem kann es euch dabei helfen, etwas mehr das Gefühl eines neu beginnenden Lebensabschnitts zu spüren.

Ein erheblicher Nachteil der Online-Formate, der immer wieder vorgebracht wurde, ist die erhöhte Hemmschwelle, sich aktiv an Seminaren zu beteiligen. So schwierig und unangenehm es sich anfühlen mag, vor dem gesamten Kurs, dessen Teilnehmer_innen womöglich nicht einmal per Kamera zugeschaltet sind, einfach eine Frage zu stellen oder gar eine Präsentation zu halten, versucht euch zu überwinden, denn es hilft dabei, sich tiefer mit den Inhalten auseinanderzusetzen und mehr Spaß am Seminar zu haben, als wenn ihr nur unbeteiligt in den eigenen vier Wänden vor dem Rechner sitzt, ohne aktiv am Geschehen teilzunehmen. Natürlich fehlen die gelegentlichen Tuscheleien mit dem_r Sitznachbar_in oder die Gespräche nach dem Seminar auf dem Weg in die Mensa, dafür gibt es kaum einen adäquaten Ersatz; aber vielleicht findet ihr ja eine Person sympathisch und fragt sie einfach im Chat an, ob ihr euch auf einen Corona-konformen Spaziergang treffen wollt. Denn ein entscheidender Vorteil der (teilweise asynchronen) Online-Seminare ist, dass ihr noch freier in eurer Tagesstruktur seid und euch mehr Zeit für andere Aktivitäten bleibt. Erfahrungsgemäß erfordert diese Freiheit allerdings auch eine gewisse Selbstdisziplin, um sich die aufgezeichneten Vorlesungen auch wirklich anzuschauen und sich nicht vor der Arbeit zu drücken. Dabei helfen selbst organisierte Online-Lerngruppen mit festen Zeiten sehr effektiv, wo ihr euch mit euren Kommiliton_innen vertiefend über die Inhalte austauschen könnt.

In wenigen Worten: im Online-Studium gehen viele der schönen Studienerfahrungen verloren, nicht alles lässt sich ohne weiteres durch virtuelle Formate ersetzen, doch davon solltet ihr euch nicht entmutigen lassen. Einiges funktioniert trotzdem erstaunlich gut, dazu gibt es viele hilfreiche Lösungen und kreative Alternativangebote sowohl von der Uni selbst als auch von studentischen Anlaufstellen. Eigeninitiative, Offenheit und ein bisschen Mut sind dabei gefragter denn je. Und sogar ein paar Vorteile hat das Online-Studium, die neben allen Nachteilen nicht übersehen werden sollten. Also lasst euch nicht davon abschrecken, und vielleicht geht es im nächsten Semester auch schon wieder geregelter zu.

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